Migasalaya Sutta

Über Migasala

Bei einer Gelegenheit hielt sich der Erhabenein in der Nähe Savatthi im Jeta Hain, Anathapindikas Kloster, auf.
Dann zog der ehrwürdige Ananda in den frühen Morgenstunden seine Untergewänder an und begab sich, seine Schale und äußere Robe tragend, zum Haus der Laienanhängerin Migasala.  Beim Eintreffen setzte er sich auf einem vorbereiteten Sitz nieder.

Dann trat die Laienanhängerin Migasala an den ehrwürdigen Ananda heran.  Beim Eintreffen verbeugte sie sich vor ihm und setzte sich zur Seite.  Als sie da saß, sprach sie zum ehrwürdigen Ananda:
Ehrwürdiger Herr, wie um alles in der Welt ist das vom Erhabenen gelehrte Dhamma zu verstehen, in dem sowohl der den keuschen Wandel Führende als auch der nicht den keuschen Wandel Führende genau denselben Lauf im nächsten Leben hätte?
Mein Vater Purana war einen keuschen Wandel führend, ein tugendhaftes Leben führend und enthielt sich des Geschlechtsverkehrs, dem vulgären Akt.  Als er verstarb, wurde vom Erhabenen vorhergesagt, dass er ein Einmal-Widerkehrender sei und in der Gesellschaft der Zufriedenen (Devas) wiedergeboren werde.
Mein Onkel väterlicherseits, Isidatta, war keinen keuschen Wandel führend und war zufrieden, mit seiner Frau zu leben.  Und dennoch als er verstarb, wurde vom Erhabenen vorhergesagt, dass auch er ein Einmal-Widerkehrender sei und in der Gesellschaft der Zufriedenen (Devas) wiedergeboren werde.
Nun wie um alles in der Welt ist das vom Erhabenen gelehrte Dhamma zu verstehen, in dem sowohl der den keuschen Wandel Führende als auch der nicht den keuschen Wandel Führende genau denselben Lauf im nächsten Leben hätte?

„Es war jedoch genauso, wie der Erhabene es vorhergesagt hat, Schwester."

Dann erhob sich der ehrwürdige Ananda, nachdem er im Hause der Laienanhängerin Migasala Almosenspeise erhalten hatte, von seinem Sitz und ging.
Dann nach seiner Mahlzeit, bei der Rückkehr von seiner Almosenrunde begab sich der ehrwürdige Ananda zum Erhabenen.  Beim Eintreffen verbeugte er sich vor ihm und setzte sich zur Seite.  Als er da saß, sprach er zum Erhabenen:

„Dann, Herr, zog ich in den frühen Morgenstunden meine Untergewänder an und begab mich, meine Schale und äußere Robe tragend, zum Haus der Laienanhängerin Migasala.  Beim Eintreffen setzte ich mich auf einem vorbereiteten Sitz nieder.

„Dann trat die Laienanhängerin Migasala an mich heran.  Beim Eintreffen verbeugte sie sich vor mir und setzte sich zur Seite.  Als sie da saß, sprach sie zu mir:
Ehrwürdiger Herr, wie um alles in der Welt ist das vom Erhabenen gelehrte Dhamma zu verstehen, in dem sowohl der den keuschen Wandel Führende als auch der nicht den keuschen Wandel Führende genau denselben Lauf im nächsten Leben hätte?
Mein Vater Purana war einen keuschen Wandel führend, ein tugendhaftes Leben führend und enthielt sich des Geschlechtsverkehrs, dem vulgären Akt.  Als er verstarb, wurde vom Erhabenen vorhergesagt, dass er ein Einmal-Widerkehrender sei und in der Gesellschaft der Zufriedenen (Devas) wiedergeboren werde.
Mein Onkel väterlicherseits, Isidatta, war keinen keuschen Wandel führend und war zufrieden, mit seiner Frau zu leben.  Und dennoch als er verstarb, wurde vom Erhabenen vorhergesagt, dass auch er ein Einmal-Widerkehrender sei und in der Gesellschaft der Zufriedenen (Devas) wiedergeboren werde.
Nun wie um alles in der Welt ist das vom Erhabenen gelehrte Dhamma zu verstehen, in dem sowohl der den keuschen Wandel Führende als auch der nicht den keuschen Wandel Führende genau denselben Lauf im nächsten Leben hätte?’

„Nach diesen Worten sprach ich zur Laienanhängerin Migasala:
‚Es war jedoch genauso, wie der Erhabene es vorhergesagt hat, Schwester.’"

„Aber, Ananda, wer ist diese Migasala, dumm, unfähig, blind, mit der Erkenntnis einer Blinden? Und wer sind diese Menschen mit der Kenntnis über den Verlauf der anderen Menschen? (1)

Ananda, es sind diese zehn Menschen in der Welt zu finden.  Welche zehn?

1  Es gibt den Fall, in dem ein Mensch untugendhaft ist und die Bewusstsein-Befreiung und die Befreiung durch Erkenntnis, wie es geworden ist (yathābhūtam), nicht erkennt, wo das Fehlen an Tugend spurlos erlöscht.  Er ist unvollkommen im Zuhören, unvollkommen im hohen Lernen und hat (die Lehre) hinsichtlich seiner Ansichten nicht durchdrungen.  Er erlangt keine gelegentliche Befreiung. (2)  
Beim Zerfall des Körpers, nach dem Tode, geht er zum Schwund, nicht zur Vorzüglichkeit.  Er ist ein zum Schwund Gelangender, nicht zur Vorzüglichkeit Gelangender

2  „Dann aber, Ananda, gibt es den Fall, in dem ein Mensch untugendhaft ist und dennoch die Bewusstsein-Befreiung und die Befreiung durch Erkenntnis, wie es geworden ist, erkennt, wo das Fehlen an Tugend spurlos erlöscht.  Er ist vollkommen im Zuhören, vollkommen im hohen Lernen und hat (die Lehre) hinsichtlich seiner Ansichten durchdrungen.  Er erlangt gelegentliche Befreiung.
Beim Zerfall des Körpers, nach dem Tode, geht er zur Vorzüglichkeit, nicht zum Schwund.  Er ist einer, zur Vorzüglichkeit gelangend, nicht zum Schwund gelangend.

In diesem Fall, Ananda, werden, jene, die bemessen, so bemessen:
‚Dieser hat die gleichen Eigenschaften wie der andere.  Warum sollte einer von ihnen gering und der andere ausgezeichnet sein?
Dieses wird zu ihrem (der Bemessenden) langfristigen Unheil und Leid sein.

In diesem Fall, Ananda, ist der Mensch, welcher untugendhaft ist und dennoch die Bewusstsein-Befreiung und die Befreiung durch Erkenntnis, wie es geworden ist, erkennt, wo das Fehlen an Tugend spurlos erlöscht, welcher vollkommen im Zuhören und vollkommen im hohen Lernen ist und (die Lehre) hinsichtlich seiner Ansichten durchdrungen hat und welcher gelegentliche Befreiung erlangt, höher und ausgezeichneter als der andere.  Warum ist das so?
Da der Dhammastrom ihn mit trägt.  Aber wer schon, abgesehen vom Tathāgata, würde diesen Unterschied kennen?

„Deshalb, Ananda, sei kein BeBemessender von Menschen.  Lege anderen Menschen kein Maß an. (3)  Er ist eingebildet (4), jeder, der anderen Menschen ein Maß anlegt.  
Ich jedoch vermag den Menschen ein Maß anzulegen, oder ein mir Ähnlicher.

3  Es gibt den Fall, in dem ein Mensch tugendhaft ist und die Bewusstsein-Befreiung und die Befreiung durch Erkenntnis, wie es geworden ist, nicht erkennt, wo das Fehlen an Tugend spurlos erlöscht.  Er ist unvollkommen im Zuhören, unvollkommen im hohen Lernen und hat (die Lehre) hinsichtlich seiner Ansichten nicht durchdrungen.  Er erlangt keine gelegentliche Befreiung. (2)  
Beim Zerfall des Körpers, nach dem Tode, geht er zum Schwund, nicht zur Vorzüglichkeit.  Er ist einer, zum Schwund gelangend, nicht zur Vorzüglichkeit gelangend.

4  „Dann aber, Ananda, gibt es den Fall, in dem ein Mensch tugendhaft ist und die Bewusstsein-Befreiung und die Befreiung durch Erkenntnis, wie es geworden ist, erkennt, wo das Fehlen an Tugend spurlos erlöscht.  Er ist vollkommen im Zuhören, vollkommen im hohen Lernen und hat (die Lehre) hinsichtlich seiner Ansichten durchdrungen.  Er erlangt gelegentliche Befreiung.
Beim Zerfall des Körpers, nach dem Tode, geht er zur Vorzüglichkeit, nicht zum Schwund.  Er ist einer, zur Vorzüglichkeit gelangend, nicht zum Schwund gelangend.

In diesem Fall, Ananda, werden, jene, die bemessen, so bemessen:
‚Dieser hat die gleichen Eigenschaften wie der andere.  Warum sollte einer von ihnen gering und der andere ausgezeichnet sein?
Dieses wird zu ihrem (der Bemessenden) langfristigen Unheil und Leid sein.

In diesem Fall, Ananda, ist der Mensch, welcher tugendhaft ist und die Bewusstsein-Befreiung und die Befreiung durch Erkenntnis, wie es geworden ist, erkennt, wo das Fehlen an Tugend spurlos erlöscht, welcher vollkommen im Zuhören und vollkommen im hohen Lernen ist und (die Lehre) hinsichtlich seiner Ansichten durchdrungen hat und welcher gelegentliche Befreiung erlangt, höher und ausgezeichneter als der andere.  Warum ist das so?
Da der Dhammastrom ihn mit trägt.  Aber wer schon, abgesehen vom Tathāgata, würde diesen Unterschied kennen?

„Deshalb, Ananda, sei kein Bemessender von Menschen.  Lege anderen Menschen kein Maß an.  Er ist eingebildet, jeder, der anderen Menschen ein Maß anlegt. 
Ich jedoch vermag den Menschen ein Maß anzulegen, oder ein mir Ähnlicher.

5  Es gibt den Fall, in dem ein Mensch heftig leidenschaftlich ist und die Bewusstsein-Befreiung und die Befreiung durch Erkenntnis, wie es geworden ist, nicht erkennt, wo das Fehlen an Tugend spurlos erlöscht.  Er ist unvollkommen im Zuhören, unvollkommen im hohen Lernen und hat (die Lehre) hinsichtlich seiner Ansichten nicht durchdrungen.  Er erlangt keine gelegentliche Befreiung. (2)  
Beim Zerfall des Körpers, nach dem Tode, geht er zum Schwund, nicht zur Vorzüglichkeit.  Er ist einer, zum Schwund gelangend, nicht zur Vorzüglichkeit gelangend.

6  „Dann aber, Ananda, gibt es den Fall, in dem ein Mensch heftig leidenschaftlich ist und dennoch die Bewusstsein-Befreiung und die Befreiung durch Erkenntnis, wie es geworden ist, erkennt, wo das Fehlen an Tugend spurlos erlöscht.  Er ist vollkommen im Zuhören, vollkommen im hohen Lernen und hat (die Lehre) hinsichtlich seiner Ansichten durchdrungen.  Er erlangt gelegentliche Befreiung.
Beim Zerfall des Körpers, nach dem Tode, geht er zur Vorzüglichkeit, nicht zum Schwund.  Er ist einer, zur Vorzüglichkeit gelangend, nicht zum Schwund gelangend.

In diesem Fall, Ananda, werden, jene, die bemessen, so bemessen:
‚Dieser hat die gleichen Eigenschaften wie der andere.  Warum sollte einer von ihnen gering und der andere ausgezeichnet sein?
Dieses wird zu ihrem (der Bemessenden) langfristigen Unheil und Leid sein.

In diesem Fall, Ananda, ist der Mensch, welcher heftig leidenschaftlich ist und dennoch die Bewusstsein-Befreiung und die Befreiung durch Erkenntnis, wie es geworden ist, erkennt, wo das Fehlen an Tugend spurlos erlöscht, welcher vollkommen im Zuhören und vollkommen im hohen Lernen ist und (die Lehre) hinsichtlich seiner Ansichten durchdrungen hat und welcher gelegentliche Befreiung erlangt, höher und ausgezeichneter als der andere.  Warum ist das so?
Da der Dhammastrom ihn mit trägt.  Aber wer schon, abgesehen vom Tathāgata, würde diesen Unterschied kennen?

„Deshalb, Ananda, sei kein Bemessender von Menschen.  Lege anderen Menschen kein Maß an.  Er ist eingebildet, jeder, der anderen Menschen ein Maß anlegt. 
Ich jedoch vermag den Menschen ein Maß anzulegen, oder ein mir Ähnlicher.

7  Es gibt den Fall, in dem ein Mensch zornig ist und die Bewusstsein-Befreiung und die Befreiung durch Erkenntnis, wie es geworden ist, nicht erkennt, wo das Fehlen an Tugend spurlos erlöscht.  Er ist unvollkommen im Zuhören, unvollkommen im hohen Lernen und hat (die Lehre) hinsichtlich seiner Ansichten nicht durchdrungen.  Er erlangt keine gelegentliche Befreiung. (2)  
Beim Zerfall des Körpers, nach dem Tode, geht er zum Schwund, nicht zur Vorzüglichkeit.  Er ist einer, zum Schwund gelangend, nicht zur Vorzüglichkeit gelangend.

8  „Dann aber, Ananda, gibt es den Fall, in dem ein Mensch zornig ist und dennoch die Bewusstsein-Befreiung und die Befreiung durch Erkenntnis, wie es geworden ist, erkennt, wo das Fehlen an Tugend spurlos erlöscht.  Er ist vollkommen im Zuhören, vollkommen im hohen Lernen und hat (die Lehre) hinsichtlich seiner Ansichten durchdrungen.  Er erlangt gelegentliche Befreiung.
Beim Zerfall des Körpers, nach dem Tode, geht er zur Vorzüglichkeit, nicht zum Schwund.  Er ist einer, zur Vorzüglichkeit gelangend, nicht zum Schwund gelangend.

In diesem Fall, Ananda, werden, jene, die bemessen, so bemessen:
‚Dieser hat die gleichen Eigenschaften wie der andere.  Warum sollte einer von ihnen gering und der andere ausgezeichnet sein?
Dieses wird zu ihrem (der Bemessenden) langfristigen Unheil und Leid sein.

In diesem Fall, Ananda, ist der Mensch, welcher zornig ist und dennoch die Bewusstsein-Befreiung und die Befreiung durch Erkenntnis, wie es geworden ist, erkennt, wo das Fehlen an Tugend spurlos erlöscht, welcher vollkommen im Zuhören und vollkommen im hohen Lernen ist und (die Lehre) hinsichtlich seiner Ansichten durchdrungen hat und welcher gelegentliche Befreiung erlangt, höher und ausgezeichneter als der andere.  Warum ist das so?
Da der Dhammastrom ihn mit trägt.  Aber wer schon, abgesehen vom Tathāgata, würde diesen Unterschied kennen?

„Deshalb, Ananda, sei kein Bemessender von Menschen.  Lege anderen Menschen kein Maß an.  Er ist eingebildet, jeder, der anderen Menschen ein Maß anlegt. 
Ich jedoch vermag den Menschen ein Maß anzulegen, oder ein mir Ähnlicher.

9  Es gibt den Fall, in dem ein Mensch ruhelos ist und die Bewusstsein-Befreiung und die Befreiung durch Erkenntnis, wie es geworden ist, nicht erkennt, wo das Fehlen an Tugend spurlos erlöscht.  Er ist unvollkommen im Zuhören, unvollkommen im hohen Lernen und hat (die Lehre) hinsichtlich seiner Ansichten nicht durchdrungen.  Er erlangt keine gelegentliche Befreiung. (2)  
Beim Zerfall des Körpers, nach dem Tode, geht er zum Schwund, nicht zur Vorzüglichkeit.  Er ist einer, zum Schwund gelangend, nicht zur Vorzüglichkeit gelangend.

10  „Dann aber, Ananda, gibt es den Fall, in dem ein Mensch ruhelos ist und dennoch die Bewusstsein-Befreiung und die Befreiung durch Erkenntnis, wie es geworden ist, erkennt, wo das Fehlen an Tugend spurlos erlöscht.  Er ist vollkommen im Zuhören, vollkommen im hohen Lernen und hat (die Lehre) hinsichtlich seiner Ansichten durchdrungen.  Er erlangt gelegentliche Befreiung.
Beim Zerfall des Körpers, nach dem Tode, geht er zur Vorzüglichkeit, nicht zum Schwund.  Er ist einer, zur Vorzüglichkeit gelangend, nicht zum Schwund gelangend.

In diesem Fall, Ananda, werden, jene, die bemessen, so bemessen:
‚Dieser hat die gleichen Eigenschaften wie der andere.  Warum sollte einer von ihnen gering und der andere ausgezeichnet sein?
Dieses wird zu ihrem (der Bemessenden) langfristigen Unheil und Leid sein.

In diesem Fall, Ananda, ist der Mensch, welcher ruhelos ist und dennoch die Bewusstsein-Befreiung und die Befreiung durch Erkenntnis, wie es geworden ist, erkennt, wo das Fehlen an Tugend spurlos erlöscht, welcher vollkommen im Zuhören und vollkommen im hohen Lernen ist und (die Lehre) hinsichtlich seiner Ansichten durchdrungen hat und welcher gelegentliche Befreiung erlangt, höher und ausgezeichneter als der andere.  Warum ist das so?
Da der Dhammastrom ihn mit trägt.  Aber wer schon, abgesehen vom Tathāgata, würde diesen Unterschied kennen?

„Deshalb, Ananda, sei kein Bemessender von Menschen.  Lege anderen Menschen kein Maß an.  Er ist eingebildet, jeder, der anderen Menschen ein Maß anlegt. 
Ich jedoch vermag den Menschen ein Maß anzulegen, oder ein mir Ähnlicher.

Also wer, Ananda, ist diese Migasala, dumm, unfähig, blind, mit der Erkenntnis einer Blinden?  Und wer sind diese Menschen mit der Kenntnis über den Verlauf der anderen Menschen?

Ananda, dies sind die zehn Menschen, die in der Welt zu finden sind.

„Wenn Isidatta mit der Art von Tugend, mit der Purāna versehen war, versehen gewesen wäre, hätte Purāna Isidattas Lauf nicht gekannt.
Wenn Purāna mit der Art von Erkenntnis, mit der Isidatta versehen war, versehen gewesen wäre, hätte Isadatta Purānas Lauf nicht gekannt.  In diese Weise, Ananda, waren diese beiden Personen teilweise minderer."


Anmerkungen

(1)  Es lautet Andhaka andhakapaññā in der Thai Ausgabe.  Die Burmesische und PTS Ausgaben lautet es ambakā ambakapaññā.  In der srilankischen Ausgabe, ammakā ammakapaññā.  Beiderlei Leseart bedeuteteine kleine Mutter mit der Erkenntnis einer kleinen Mutter’.  
Anmerkung 1332 im NDB stellt fest, dass die chinesische Version dieser Sutta auch keine abfällige Bemerkung über Frauen enthält.  Siehe SN 5.02.

(2)  Die vorübergehende Befreiung, welche die Geistessammlung mit sich bringt. Siehe MN 29 - 30.

(3)  NDB gibt diesen Abschnitt folgenderweise wieder:
„Sei nicht wertend hinsichtlich der Menschen.  Fälle kein Urteil über die Menschen.
Allerdings gibt es viele Abschnitte im Kanon, in denen der Buddha ausdrücklich empfiehlt, über das Verhalten von anderen Menschen zu urteilen, um zu entscheiden, ob man mit ihnen verkehren oder sie als Vorbild, dem man folgen sollte, nehmen will.
Siehe zum Beispiel, MN 110, AN 4.73, AN 4.192, AN 7.64, and AN 8.54.  Wie aus dem Zusammenhang klar hervorgeht, sagt der Buddha Ananda ausdrücklich, dass er nicht versuchen sollte, die Errungenschaften anderer Menschen zu beurteilen, denn nur ein Tathāgata (ein Buddha oder ein Aharant) ist in der Lage, den Geisteszustand einer Person gut genug wahrzunehmen, um den daraus resultierenden zukünftigen Verlauf, den diese Person nach dem Tod nehmen wird, zu kennen.

(4)  Es lautet maññati in der Thai Ausgabe.  In den anderen Ausgaben lautet es khaññati ‚er ist zerstört’ oder ‚er wird ausgegraben’.  Maññati passt in den Satz hier durch eine Alliteration, denn seine Wurzel, mañ, ist der Wurzel für Maß (pamāa) und für den Bemessenden (pamāika) nahe.



Migasalaya Sutta:  (AN10.75)
translated from the Pali by Thanissaro Bhikkhu
Übersetzung aus dem Englischen nach Thanissaro Bhikkhu

Kanthaka Sutta

Dornen

Bei einer Gelegenheit hielt sich der Erhabene in der Nähe von Vesali, im Großen Wald, in der Giebeldachhalle, auf .zusammen mit vielen sehr bekannten älteren Schülern, dem ehrwürdigen Pala, dem ehrwürdigen Upapāla, dem ehrwürdigen Kakka
a, dem ehrwürdigen Kaimbha, dem ehrwürdigen Nikaa, dem ehrwürdigen Kaissaha (1) und mit anderen sehr bekannten älteren Schülern.  Und bei dieser Gelegenheit tauchten viele sehr bekannte Licchavier, einer nach dem anderen in günstigen Fuhrwerken mit lauten, großen Lärm rasend, in den Großen Wald ein, um den Erhabenen zu besuchen.

Dann dachten sich die Ehrwürdigen:
„Diese vielen, sehr bekannten Licchavier, einer nach dem anderen in günstigen Fuhrwerken mit lauten, großen Lärm rasend, tauchen in den Großen Wald ein, um den Erhabenen zu besuchen. 
Nun sagt der Erhabene, dass Lärm ein Dorn (eine Hemmung) für die Jhana sei.  Was wäre, wenn wir in den Gosinga Sala Waldpark gingen?  Dort würden wir bequem verweilen, mit geringen Lärm und geringem Gedränge."

Somit gingen die Ehrwürdigen in den Gosiga Sala Waldpark.  Dort verweilten sie bequem, in geringem Lärm und geringem Gedränge.

Dann richtete sich der Erhabene an die Mönche:
„Wo ist Pala, Mönche?  Wo ist Upapāla?  Wo ist Kakkaa?  Wo ist Kaimbha?  Wo ist Nikaa?  Wo ist Kaissaha?  Wohin haben sich diese älteren Schüler begeben?"

Gerade nun, Herr, dachten sich die Ehrwürdigen:
‚Diese vielen, sehr bekannten Licchavier, einer nach dem anderen in günstigen Fuhrwerken mit lauten, großen Lärm rasend, tauchen in den Großen Wald ein, um den Erhabenen zu besuchen. 
Nun sagt der Erhabene, dass Lärm ein Dorn für die Jhana sei.  Was wäre, wenn wir in den Gosiga Sala Waldpark gingen?  Dort würden wir bequem verweilen, in geringem Lärm und geringem Gedränge.’"

Sehr gut, Mönche, sehr gut, was diese großen, recht erklärenden Schüler zu Recht erklärt haben, denn ich habe gesagt, dass Lärm ein Dorn für die Jhana sei.

„Mönche, gibt es diese zehn Dornen. Welche zehn?

„Für den Abgeschiedenheit Liebenden ist die Liebe zum Menschengewirr ein Dorn.
Für den das Motiv des Unschönen Bestrebenden ist das Motiv des Schönen ein Dorn.
Für den die Sinnestore Bewachenden sind (Theater-) Vorstellungen ein Dorn.
Für den keuschen Wandel Führenden ist die Nähe zu Frauen ein Dorn.
Für das erste Jhana ist Lärm ein Dorn. (3)
Für das zweite Jhana sind gelenkten Gedanken und Bewerten Dornen.
Für das dritte Jhana ist Verzückung ein Dorn.
Für das vierte Jhana sind der In- und der Ausatem Dornen. (4)
Für die Erreichung der Beendigung von Gefühl und Wahrnehmung sind Wahrnehmung und Gefühle Dornen.
Leidenschaft ist ein Dorn.  Abneigung ist ein Dorn.  Verblendung ist ein Dorn.

„Verweilt ohne Dornen, Mönche!  Verweilt ohne Dornen, Mönche!  Die Arahants sind ohne Dornen, Mönche. Die Arahants sind ohne Dornen, sind frei von Dornen."  (5)


Anmerkungen

(1)  Es gibt keine allgemeine Übereinstimmung dieser Namen bei den verschiedenen Ausgaben.  Hier sind sie wiedergegeben, wie sie in der Thai-Ausgabe stehen..

(2)  Es lautet paramparāya in der Thai-Edition.  Parampara wird manchmal als ‚aufeinanderfolgend’ übersetzt, aber in Pacittiya 33 es bedeutet natürlich ‚außerplanmäßig’, eine Bedeutung, die hier von Bedeutung zu sein scheint.  Die Licchavier werden auch in anderen Zusammenhängen als lärmend dargestellt.  Siehe zum Beispiel DN 16.

(3)  Dieser Absatz wurde als Beweis dafür angeführt worden, dass eine Person in der ersten Jhana außerstande sein muss, Geräusche zu hören.  Das Argument ist dabei, dass gelenkte Gedanken und Bewerten in der zweiten Jhana nicht vorhanden sind, Verzückung in der dritten Jhana nicht vorhanden ist, und so weiter, und somit Geräusche in der ersten Jhana nicht vorhanden sind.  Dieses Argument ignoriert jedoch den größeren Zusammenhang der Lehrrede in zwei Punkten:

a)  Wenn ‚Dorn’ etwas wäre, das nicht vorhanden sein kann, ohne das, was Dornen hat, zu zerstören, dann würde die Nähe zu Frauen die Keuschheit eines Mann zerstören, würde eine (Theater-) Vorstellung das Bewachen der Sinne zerstören, und so weiter.  Eine Auslegung von Dorn’, die folgerichtig für alle zehn Beispiele passend ist, wäre jedoch etwas, welches für das, was Dornen hat, Schwierigkeiten bereitet.  So zu sagen, dass Lärm ein Dorn für das erste Jhana ist, würde lediglich bedeuten, dass Lärm es schwer macht, in die Jhana einzutreten oder zu verbleiben.

b)  Wenn der Buddha ein Argument anbringen wollte, dass Lärm in der ersten Jhana nicht gehört werden kann, hätte er die älteren Mönche kritisiert, dass sie sich die Mühe gemacht hatten, den Grossen Wald zu verlassen, und hätte ihnen empfohlen, dass sie in die erste Jhana eintreten und darin bequem verbleiben sollten, wenn sie der Störung durch den Lärm entfliehen wollten.
AN 9.38 ansonsten erwähnt, dass eine Person in der ersten Jhana über dem Einfluss der fünf Saiten der Sinnlichkeit hinaus steht: verlockende Formen (Ansichten), Klänge, Düfte, Geschmäcker und Tastempfindungen.  Das heißt nicht, dass die Person in der ersten Jhana ist überhaupt nicht imstande wäre, sich über Sinnesobjekte bewusst zu sein.  Gemäß der Standard-Beschreibung der ersten Jhana tritt man in sie ein, wenn man von der Sinnlichkeit zurückgezogen ist, welche in AN 6.63 wie folgt definiert wird:

Die Leidenschaft für seine Absichten (Entschluss) ist eines Menschen Sinnlichkeit,
nicht die schönen sinnlichen Vergnügen,
die in der Welt zu finden sind.
Die Leidenschaft für seine Absichten ist eines Menschen Sinnlichkeit.

Das Schöne in der Welt bleibt, wie es ist,
jedoch die Weisen, in dieser Hinsicht,
bändigen ihre Begierde.

(4)  Siehe SN 36.11 und AN 9.31.

(5)  Dieser letzte Absatz folgt der Thai Lesart.  Die birmanische Ausgabe lautet:

„Verweilt ohne Dornen, Mönche!  Verweilt ohne Dornen, Mönche!  Verweilt ohne Dornen und frei von Dornen.  Die Arahants sind ohne Dornen, Mönche. Die Arahants sind frei von Dornen.  Die Arahants sind ohne Dornen, sind frei von Dornen."


Kanthaka Sutta: Thornes (AN 10.72)
translated from the Pali by Thanissaro Bhikkhu
Übersetzung aus dem Englischen nach Thanissaro Bhikkhu

Gotami Sutta

An Gotami

Bei einer Gelegenheit hielt sich der Erhabene in der Nähe von Kapilavatthu, im Banyan Park, auf.  Dann begab sich Mahapajapati Gotami zum Erhabenen.  Beim Eintreffen verbeugte sie sich vor ihm und stellte sich zur Seite.  Als sie dort stand, sprach sie zu ihm:
„Es wäre gut, Herr, wenn Frauen den Auszug vom häuslichen Leben in die Hauslosigkeit in dem vom Tathagata verkündeten Dhamma und Vinaya erhalten könnten."

„Genug, Gotami.  Verfechte nicht den Auszug vom häuslichen Leben in die Hauslosigkeit in dem vom Tathagata verkündeten Dhamma und Vinaya für die Frauen."

Ein zweites Mal sprach sie zum Erhabenen:
„Es wäre gut, Herr, wenn Frauen den Auszug vom häuslichen Leben in die Hauslosigkeit in dem vom Tathagata verkündeten Dhamma und Vinaya erhalten könnten."

„Genug, Gotami.  Verfechte nicht den Auszug vom häuslichen Leben in die Hauslosigkeit in dem vom Tathagata verkündeten Dhamma und Vinaya für die Frauen."

Ein drittes Mal sprach sie zum Erhabenen:
„Es wäre gut, Herr, wenn Frauen den Auszug vom häuslichen Leben in die Hauslosigkeit in dem vom Tathagata verkündeten Dhamma und Vinaya erhalten könnten."

„Genug, Gotami.  Verfechte nicht den Auszug vom häuslichen Leben in die Hauslosigkeit in dem vom Tathagata verkündeten Dhamma und Vinaya für die Frauen."  (1)

So dachte Mahapajapati Gotami:
Der Erhabene gestattet den Auszug vom häuslichen Leben in die Hauslosigkeit in dem vom Tathagata verkündeten Dhamma und Vinaya für die Frauen nicht“, und traurig, unglücklich, weinend und mit tränenbedecktem Gesicht verbeugte sie sich vor dem Erhabenen und entfernte sich, ihn zu ihrer Rechten haltend.

Der Erhabene, der solange es ihm gefiel, in Kapilavatthu geblieben war, macht sich auf den Weg nach Vesali.  In Teilstrecken wandernd erreichte er Vesali und blieb dort in der Nähe von Vesali, im Großen Wald, in der Giebeldachhalle.
Dann machte sich Mahapajapati Gotami, nachdem sie ihr Haar abgeschnitten und ockerfarbene Gewänder angelegt hatte, zusammen mit einer großen Anzahl von Sakyer Frauen auf den Weg nach Vesali.  In Teilstrecken wandernd erreichte sie Vesali und begab sich  in die Giebeldachhalle im Großen Wood.  Dann stand sie da vor dem Vorbau, mit geschwollenen Füßen und staubbedeckten Gliedmaßen, traurig und unglücklich, weinend und mit tränenbedecktem Gesicht.  Der ehrwürdige Ananda (2) sah sie mit geschwollenen Füßen und staubbedeckten Gliedmaßen, traurig, unglücklich, weinend und mit tränenbedecktem Gesicht stehen und  fragte sie somit:
„Warum, Gotami, warum stehst du hier mit geschwollenen Füßen und staubbedeckten Gliedmaßen, traurig, unglücklich, weinend und mit tränenbedecktem Gesicht?"

„Da, ehrwürdiger Herr, der Erhabene den Auszug vom häuslichen Leben in die Hauslosigkeit in dem vom Tathagata verkündeten Dhamma und Vinaya für die Frauen nicht gestattet."

„In diesem Fall, Gotami, warte genau hier (3), während ich den Erhabenen bitte, den Auszug vom häuslichen Leben in die Hauslosigkeit in dem vom Tathagata verkündeten Dhamma und Vinaya für die Frauen zu gestatten."

Dann begab sich der Ananda zum Erhabenen.  Beim Eintreffen verbeugte er sich vor ihm und setzte sich zur Seite.  Als er da saß, sprach er zum Erhabenen:
„Herr, Mahapajapati Gotami steht vor dem Vorbau, mit geschwollenen Füßen und staubbedeckten Gliedmaßen, traurig und unglücklich, weinend und mit tränenbedecktem Gesicht, da der Erhabene den Auszug vom häuslichen Leben in die Hauslosigkeit in dem vom Tathagata verkündeten Dhamma und Vinaya für die Frauen nicht gestattet.  Es wäre gut, wenn Frauen den Auszug vom häuslichen Leben in die Hauslosigkeit in dem vom Tathagata verkündeten Dhamma und Vinaya erhalten könnten."

„Genug, Ananda.  Verfechte nicht den Auszug vom häuslichen Leben in die Hauslosigkeit in dem vom Tathagata verkündeten Dhamma und Vinaya für die Frauen."

Ein zweites Mal sprach er zum Erhabenen:
„Es wäre gut, Herr, wenn Frauen den Auszug vom häuslichen Leben in die Hauslosigkeit in dem vom Tathagata verkündeten Dhamma und Vinaya erhalten könnten."

„Genug, Ananda.  Verfechte nicht den Auszug vom häuslichen Leben in die Hauslosigkeit in dem vom Tathagata verkündeten Dhamma und Vinaya für die Frauen."

Ein drittes Mal sprach er zum Erhabenen:
„Es wäre gut, Herr, wenn Frauen den Auszug vom häuslichen Leben in die Hauslosigkeit in dem vom Tathagata verkündeten Dhamma und Vinaya erhalten könnten."

„Genug, Ananda.  Verfechte nicht den Auszug vom häuslichen Leben in die Hauslosigkeit in dem vom Tathagata verkündeten Dhamma und Vinaya für die Frauen." 

Dann dachte sich der ehrwürdige Ananda:
Der Erhabene gestattet den Auszug vom häuslichen Leben in die Hauslosigkeit in dem vom Tathagata verkündeten Dhamma und Vinaya für die Frauen nicht.  Was wäre, wenn ich einen anderen Weise fände, den Erhabenen darum zu bitten, den Auszug vom häuslichen Leben in die Hauslosigkeit in dem vom Tathagata verkündeten Dhamma und Vinaya für die Frauen zu gestatten."  Somit sagte er zum Erhabenen:"
„Herr, wenn eine Frau vom häuslichen Leben in die Hauslosigkeit in dem vom Tathagata verkündeten Dhamma und Vinaya hinausziehen würde, wäre sie imstande, die Früchte des Stromeintritts, des Einmal-Widerkehrens, des Nicht-Widerkehrens oder der Arahantschaft zu verwirklichen?"

„Ja, Ananda, wenn eine Frau vom häuslichen Leben in die Hauslosigkeit in dem vom Tathagata verkündeten Dhamma und Vinaya hinausziehen würde, wäre sie imstande, die Früchte des Stromeintritts, des Einmal-Widerkehrens, des Nicht-Widerkehrens oder der Arahantschaft zu verwirklichen.“

„In diesem Fall, Herr, Mahapajapati Gotami ist dem Erhabenen sehr dienlich gewesen.  Sie war des Erhabenen Tante, Pflegemutter und Amme, Milch.  Als des Erhabenen Mutter starb, gab sie ihm ihre Milch.  
Es wäre gut, wenn Frauen den Auszug vom häuslichen Leben in die Hauslosigkeit in dem vom Tathagata verkündeten Dhamma und Vinaya erhalten könnten."

Ananda, wenn Mahapajapati Gotami acht Hochachtungsvorschriften (garu-dhamma) annimmt, wird das ihre vollständige Nonnenweihe sein.

1  Eine Nonne, die selbst für über hundert Jahre zur Nonne geweiht ist, muss sich vor einem Mönch verbeugen, sich von ihrem Platz erheben, ihn mit den vor dem Herzen hohl zusammengelegten Händen grüssen und Übergeordneten gebührende Verehrung darbringen, selbst wenn er erst genau an diesem Tag zum Mönch geweiht wurde.
Diese Vorschrift ist von ihr zu ehren, zu achten, hochzuschätzen, zu würdigen und zeitlebens nicht zu übertreten.

2  Eine Nonne darf die Regenzeit nicht in einem Aufenthaltsort verbringen, wo es keinen Mönch (in der Nähe) gibt.
Diese Vorschrift ist von ihr zu ehren, zu achten, hochzuschätzen, zu würdigen und zeitlebens nicht zu übertreten.

3  Jede vierzehn Tage sollte eine Nonne zwei Dinge von der Sangha der Mönche (Mönchsgemeinschaft) erwarten:
(Die Erlaubnis) nach dem Datum des Uposatha zu fragen und (die Erlaubnis) für den Zugang einer Belehrung.
Diese Vorschrift ist von ihr zu ehren, zu achten, hochzuschätzen, zu würdigen und zeitlebens nicht zu übertreten.

4  „Am Ende Aufenthalts während der Regenzeit sollte eine Nonne (Beschuldigungen von Seiten) beider Sangha einladen (sowohl der Sangha der Mönche und als auch der Sangha der Nonnen) in dreifacher Hinsicht: das, was sie gesehen haben, was sie gehört haben und was sie vermutet haben.
Diese Vorschrift ist von ihr zu ehren, zu achten, hochzuschätzen, zu würdigen und zeitlebens nicht zu übertreten.

5  Eine Nonne, die eine der Hochachtungsvorschriften gebrochen hat, muss sich der Buße unter beiden Sangha für vierzehn Tage unterziehen.
Diese Vorschrift ist von ihr zu ehren, zu achten, hochzuschätzen, zu würdigen und zeitlebens nicht zu übertreten.

6  Erst wenn eine Frau in der Schulung sich für zwei Jahre in den sechs Verhaltensregeln geschult hat, kann sie die Nonnenweihe bei beiden Sangha ersuchen.
Diese Vorschrift ist von ihr zu ehren, zu achten, hochzuschätzen, zu würdigen und zeitlebens nicht zu übertreten.

7  Ein Mönch darf von einer Nonne in keiner Weise beleidigt oder beschimpft werden.  

Diese Vorschrift ist von ihr zu ehren, zu achten, hochzuschätzen, zu würdigen und zeitlebens nicht zu übertreten.

8  Von diesem Tag an ist die Ermahnung eines Mönch durch eine Nonne verboten, jedoch ist die Ermahnung einer Nonne durch einen Mönch nicht verboten.
Diese Vorschrift ist von ihr zu ehren, zu achten, hochzuschätzen, zu würdigen und zeitlebens nicht zu übertreten.

„Wenn Mahapajapati Gotami diese acht Hochachtungsvorschriften annimmt, wird das ihre vollständige Nonnenweihe sein.“

Dann begab sich der ehrwürdige Ananda, als er die acht Hochachtungsvorschriften im Beisein des Erhabenen gelernt hatte, zu Mahapajapati Gotami.  Beim Eintreffen sprach er zu ihr: Gotami, wenn du diese acht Hochachtungsvorschriften annimmst, wird das ihre vollständige Nonnenweihe sein.

Eine Nonne, die selbst für über hundert Jahre zur Nonne geweiht ist, muss sich vor einem Mönch verbeugen, sich von ihrem Platz erheben, ihn mit den vor dem Herzen hohl zusammengelegten Händen grüssen und Übergeordneten gebührende Verehrung darbringen, selbst wenn er erst genau an diesem Tag zum Mönch geweiht wurde.
Diese Vorschrift ist von ihr zu ehren, zu achten, hochzuschätzen, zu würdigen und zeitlebens nicht zu übertreten.

Eine Nonne darf die Regenzeit nicht in einem Aufenthaltsort verbringen, wo es keinen Mönch (in der Nähe) gibt.
Diese Vorschrift ist von ihr zu ehren, zu achten, hochzuschätzen, zu würdigen und zeitlebens nicht zu übertreten.

Jede vierzehn Tage sollte eine Nonne zwei Dinge von der Sangha der Mönche (Mönchsgemeinschaft) erwarten:
(Die Erlaubnis) nach dem Datum des Uposatha zu fragen und (die Erlaubnis) für den Zugang einer Belehrung.
Diese Vorschrift ist von ihr zu ehren, zu achten, hochzuschätzen, zu würdigen und zeitlebens nicht zu übertreten.

„Am Ende Aufenthalts während der Regenzeit sollte eine Nonne (Beschuldigungen von Seiten) beider Sangha einladen (sowohl der Sangha der Mönche und als auch der Sangha der Nonnen) in dreifacher Hinsicht: das, was sie gesehen haben, was sie gehört haben und was sie vermutet haben.
Diese Vorschrift ist von ihr zu ehren, zu achten, hochzuschätzen, zu würdigen und zeitlebens nicht zu übertreten.

Eine Nonne, die eine der Hochachtungsvorschriften gebrochen hat, muss sich der Buße unter beiden Sangha für vierzehn Tage unterziehen.
Diese Vorschrift ist von ihr zu ehren, zu achten, hochzuschätzen, zu würdigen und zeitlebens nicht zu übertreten.

Erst wenn eine Frau in der Schulung sich für zwei Jahre in den sechs Verhaltensregeln geschult hat, kann sie die Nonnenweihe bei beiden Sangha ersuchen.
Diese Vorschrift ist von ihr zu ehren, zu achten, hochzuschätzen, zu würdigen und zeitlebens nicht zu übertreten.

Ein Mönch darf von einer Nonne in keiner Weise beleidigt oder beschimpft werden.  

Diese Vorschrift ist von ihr zu ehren, zu achten, hochzuschätzen, zu würdigen und zeitlebens nicht zu übertreten.

Von diesem Tag an ist die Ermahnung eines Mönch durch eine Nonne verboten, jedoch ist die Ermahnung einer Nonne durch einen Mönch nicht verboten.
Diese Vorschrift ist von ihr zu ehren, zu achten, hochzuschätzen, zu würdigen und zeitlebens nicht zu übertreten.“

Ehrwürdige Ananda, gleich wie eine junge, sich gerne schmückende Frau - oder Mann -, die eine Lotos- oder Jasmin- oder Duftkletterpflanzengirlande geschenkt worden wäre und sie sie mit beiden Händen angenommen hätte, sie diese auf ihren Kopf setzen würde,
gleich so nehme ich die acht Hochachtungsvorschriften an und will sie zeitlebens nicht übertreten."

Dann kehrte der ehrwürdige Ananda zum Erhabenen zurück, verbeugte sich vor ihm und setzte sich zur Seite.  Als er da saß, sprach er:
„Herr, Mahapajapati Gotami hat die acht Hochachtungsvorschriften angenommen, sie zeitlebens nicht zu übertreten.“ (4)

„Aber Ananda, hätten Frauen den Auszug vom häuslichen Leben in die Hauslosigkeit in dem vom Tathagata verkündeten Dhamma und Vinaya nicht erhalten, hätte das heilige Leben lange gewährt, hätte das wahre Dhamma 1000 Jahre lang gedauert.  Nun, da sie den Auszug vom häuslichen Leben in die Hauslosigkeit in dem vom Tathagata verkündeten Dhamma und Vinaya erhalten haben, wird das heilige Leben nicht lange währen, wird das wahre Dhamma nur 500 Jahre dauern. 
(5)

„Gleich wie eine Sippe, in der es viele Frauen und wenige Männer gibt, leicht von Räubern und Dieben geplündert wird,
gleich so währt, in welchem Dhamma und Vinaya auch immer Frauen den Auszug erhalten, das heilige Leben nicht lange.

„Gleich wie, wenn der Mehltau ein reifes Weizenfeld befällt, jenes Weizenfeld nicht mehr lange fortbesteht,
gleich so währt, in welchem Dhamma und Vinaya auch immer Frauen den Auszug erhalten, das heilige Leben nicht lange.

„Gleich wie, wenn der Rostpilz ein Zuckerrohrfeld befällt, jenes Zuckerrohrfeld nicht mehr lange fortbesteht,
gleich so währt, in welchem Dhamma und Vinaya auch immer Frauen den Auszug erhalten, das heilige Leben nicht lange.

„Gleich wie ein Mann vielleicht vorsorglich einen Damm um einen großen Teich macht, um das Wasser vom Überlaufen abzuhalten,
gleich so habe ich vorsorglich die acht Hochachtungsvorschriften für Nonnen aufgestellt, welche sie zeitlebens nicht übertreten sollen." (6)


Anmerkungen

(1)  DN 16 berichtet über ein Gespräch kurz nach dem Erwachen des Buddhas zwischen dem Buddha und Mara, in welchem der Erstere entsagt, ganz in Nibbana einzugehen (zu entfesseln), bevor er nicht eine Sangha der Mönche sowie eine Sangha der Nonnen eine Sangha auf eine festes Fundament gegründet hat.  
So stellt sich die Frage: Warum hat der Buddha Mahapajapati erstes Ersuchen verweigert, eine Sangha der Nonnen zu gestatten?  Die offensichtliche Antwort ist, dass er bereits die Bedingungen durchdacht hatte, worauf er die Sangha gründen würde, und vermutete, dass Mahapajapati sie ablehnen würde, es sei denn sie wäre in ihrem Ersuchen voll aufrichtig.  Erst als sie später ihre Aufrichtigkeit zeigte und der ehrwürdige Ananda ein schlagendes Argument für ihre Ordination vorbrachte - nämlich dass Frauen in der Lage wären, die edlen Errungenschaften zu erreichen, wenn sie ordinieren dürften - hat der Buddha seine Bedingungen dargelegt.

Obwohl das häufigste Muster in der Vinaya ist, dass der Buddha Beschwerden über das Verhalten eines Mönchs oder Nonne abwartet, bevor er Vorschriften festlegt, wurden viele Vorschriften in einer diesem Muster nicht folgender Weise dargelegt.  In einigen Fällen bringen die Mönche dem Buddha Fragen vor darüber, wie sie sich verhalten sollen, und er legt die Vorschriften in Antwort auf ihre Anfrage fest.  In anderen Fällen, wie die Vorschriften für die Kathina (Mv.VII), stellt der Buddha einfach Bedingungen auf, auch ohne gefragt zu werden.  So ist darin nichts Ungewöhnliches, dass er Bedingungen vor der Gründung des Sanghas der Nonnen festlegt.

(2)  Laut dem Kommentar fanden diese Ereignisse in dieser Sutta gleich nach der ersten Wiederkehr des Buddhas nach Kapilavatthu, kurz nach seinem Erwachen, statt.  An anderer Stelle im Kommentar heißt es, dass der ehrwürdige Ananda erst 20 Jahre nach des Buddhas Erwachen der beständige Begleiter des Buddhas geworden ist.  
Der Kanon schweigt über diese beiden Punkte, aber sollten die Behauptungen des Kommentars wahr sein, dann hätten sich diese Ereignisse ereignet, als Ananda als zeitweiliger Begleiter gedient hatte oder einfach nur zufällig in der Nähe des Buddha war, noch vor seiner späteren Ernennung zum beständigen Begleiter.
Jedoch in Anbetracht der Bemerkungen des Buddhas über den Regenzeitaufenthalt, Uposatha und über die diesbezügliche Einladung, es ist wahrscheinlicher, dass diese Ereignisse später in seiner Laufbahn stattgefunden haben, nachdem bereits schon eine ganze Anzahl von Vorschriften und Anweisungen für die Bhikkhus festgelegt waren.

(3)  Die thailändische Ausgabe von Cv.X, welche auch diesen Bericht enthält, fügt hier einen Moment’ hinzu.

(4)  In Cv.X, spricht der ehrwürdiger Ananda:
„Ehrwürdiger Herr, Mahapajapati Gotami hat die acht Hochachtungsvorschriften angenommen.  Des Erhabenen Pflegemutter ist vollkommen anerkannt. "

(5)  Wie in SN 16.13 erklärt wird, bedeutet das Überleben des wahren Dhamma nicht einfach das rohe Überleben der Lehre, sondern das Überleben der Lehre, unverfälscht durch synthetisches Dhamma (Saddhamma-pa
irūpa), spätere Verbesserungen’, welche die Authentizität des wahren Dhamma in Frage stellen.  
Ein mögliches Beispiel für diese Art von Verfälschung - die erste, frühe Literatur des Prajna-Paramita mit ihren Lehren über das Nicht-Entstehen von Dhamma - erschien etwa 500 Jahre nach Buddha.

(6)  Die ersten Nonnen haben diese acht Vorschriften nicht gelehrig angenommen.  Bald nachdem Mahapajapati Gotami gelobt hatte, sie zeitlebens einzuhalten, ersuchte sie, dass die Nonnen von der meist belastenden, der ersten (Cv.X.3), entlastet werden sollten.  Die Tatsache, dass sie bat, ihr dem Buddha gegebenes Wort nicht einzuhalten, verdammte ihr Ersuchen zum Scheitern.

Der Vibhanga für die Bhikkhuni Patimokkha gemäß, missachteten einzelne Nonnen zu späteren Zeitpunkten die zweite, dritte, vierte, sechste und siebte Hochachtungsvorschrift, was zur Folge hatte, dass der Buddha Pacittiya-Regeln zu ihrer Patimokkha hinzufügte, welche diese Übertretungen verboten (jeweilig, Bhikkhunī Pc 56, 59, 57, 63 (66) und 52).
Cv.X.20 berichtet, dass Nonnen versuchten, Vorwürfe gegen Mönche in die Wege zuleiten, in Verletzung der achten Hochachtungsvorschrift, was dazu führte, dass der Buddha, solche Versuche als ungültig erklärte und eine Dukkaa gegen sie verhängte.  
Das Vorhandensein dieser Vorschriften bedeutete, dass jede Nonne, welche diese brachen, ihr Vergehen ihren Mitschwestern bekennen musste.  Da Disziplinär-Durchführungen nur jene, die gestehen, auferlegt werden können, öffnete der Akt des Bekennens damit den Weg für beide Sangha, der Zuwiderhandelnden eine Buße gemäß der fünften Hochachtungsvorschrift aufzuerlegen.

Interessanterweise wurde die erste Hochachtungsvorschrift durch eine Regel für die Mönche verstärkt.  Cv.X.3 erlegt einem Mönch eine Dukka
a
auf, der sich vor einer Frau verbeugt, sich für sie  von seinem Platz erhebt, sie mit den vor dem Herzen hohl zusammengelegten Händen grüsst und ihr Übergeordneten gebührende Verehrung darbringt.  Somit, wenn ein Mönch diese Regel brach, musste er diese Tatsache bekennen; die besagte Nonne war mit seinem Geständnis zu konfrontieren und infolgedessen setzten Abläufe ein, die zum Einhalten ihrer Buße führten.


Gotami Sutta: To Gotami (AN 8.51)
translated from the Pali by Thanissaro Bhikkhu
Übersetzung aus dem Englischen nach Thanissaro Bhikkhu