Pansadhovaka Sutta

Der Dreck-Wäscher

„Es gibt diese groben Verunreinigungen im Gold: schmutziger Sand, Kies und Splitt.
Der Dreck-Wäscher oder sein Lehrling wäscht (das Gold), nachdem er es in einen Bottich gelegt hat, immer und immer wieder, bis er sie weggespült hat.

„Wenn er sie beseitigt hat, bleiben die mäßigen Verunreinigungen im Gold: grober Sand und feiner Splitt.
Er wäscht das Gold immer und immer wieder, bis sie weggespült sind.

„Wenn er sie beseitigt hat, bleiben die feinen Verunreinigungen im Gold: feiner Sand und schwarzer Staub.
Der Dreck-Wäscher oder sein Lehrling wäscht das Gold immer und immer wieder, bis sie weggespült sind.

„Wenn er sie beseitigt hat, bleibt nur der Goldstaub.
Nachdem der Goldschmied oder sein Lehrling ihn in einen Tiegelofen gelegt hat, bläst er immer und immer wieder darauf, um das Gekrätz wegzublasen.  Solange man nicht immer und immer wieder darauf bläst bis zum Punkt, an dem die Verunreinigungen weggeblasen sind, solange es nicht verfeinert und frei von Gekrätz ist, ist das Gold nicht biegsam, formbar oder leuchtend.  Es ist spröde und nicht bearbeitungsbereit.
Aber es kommt eine Zeit, wenn der Goldschmied oder sein Lehrling immer und immer wieder auf das Gold geblasen haben wird, bis das Gekrätz weggeblasen sein wird.  Das Gold, nachdem man immer und immer wieder darauf blasen hat bis zum Punkt, an dem die Verunreinigungen weggeblasen worden sind, ist dann verfeinert und frei von Gekrätz, geschmeidig, formbar und leuchtend.  Es ist nicht spröde und ist bearbeitungsbereit.

„Dann welchen Schmuck auch immer er im Sinn hat - sei es ein Gürtel, ein Ohrring, eine Halskette oder eine Goldkette - dafür würde das Gold seinem Zweck dienen.

„In der gleichen Weise, gibt es diese grobe Verunreinigungen in einem Mönch, der auf einen höheren Geist bedacht ist:
Fehlverhalten in Körper, Rede und Geist.
Der Mönch - der sich darüber bewusst ist und von der Natur in der Lage ist - gibt diese auf, zerstört sie, zerstreut sie, vernichtet sie. 

„Wenn er sie beseitigt hat, bleiben die mäßigen Verunreinigungen in ihm:
Gedanken der Sinnlichkeit, des Übelwollens und des Verletzens.
Er gibt diese auf, zerstört sie, zerstreut sie, vernichtet sie.
 
„Wenn er sie beseitigt hat, bleiben die feinen Verunreinigungen in ihm:
Gedanken an seine Kaste, Gedanken an seinen Heimatort, Gedanken den Wunsch betreffend, nicht verachtet zu werden
Er gibt diese auf, zerstört sie, zerstreut sie, vernichtet sie.

„Wenn er sie beseitigt hat, bleiben nur noch die Gedanken an das Dhamma.
Seine Geistessammlung ist weder ruhig noch verfeinert, noch hat sie Gestilltheit oder Einheit erreicht und wird durch das Gebilde von kräftiger Zügelung gegenwärtig gehalten.
Aber es kommt eine Zeit, in der sein Geist nach innen beständig wird, sich beruhigt, sich vereinheitlicht und sammelt.  Seine Geistessammlung ist ruhig und verfeinert, hat Gestilltheit und Einheit erreicht und wird nicht mehr durch das Gebilde von kräftiger Zügelung gegenwärtig gehalten.

„Dann je nachdem, welchem der höheren Kenntnisse er seinen Geist zuwendet, um sie zu erkennen und zu verwirklichen, kann er sie für sich selbst erleben, wenn es ein Öffnen gibt.

Wenn er will, übt er vielfältige übernatürlichen Kräfte aus.   
Einer seiend, wird er viele; aus vielen, wird er einer.  Er erscheint.  Er verschwindet.  Er geht ungehindert durch Wände, Wälle und Berge, als wäre es Luft.  Er taucht in die Erde hinein und hinaus, als wäre es Wasser.  Er geht auf Wasser ohne zu sinken, als wäre es trockenes Land.  Er fliegt im Schneidersitz durch die Luft wie ein geflügelter Vogel.  Er berührt und streichelt mit seiner Hand selbst die Sonne und den Mond, die so mächtigen und gewaltigen.  Er wirkt mit seinem Körper sogar bis in die Brahma Welten hin. 
Dies kann er für sich selbst erleben, wenn immer es ein Öffnen gibt.

Wenn er will, vernimmt er - mittels des göttlichen Ohrs, dem geläuterten und das Menschliche übertreffend - beiderlei Laute, göttliche und menschliche, nah oder fern.  
Dies kann er für sich selbst erleben, wenn immer es ein Öffnen gibt.

Wenn er will, kennt er das Bewusstsein anderer Wesen, anderer Personen, indem er es mit seinem eigenen Bewusstsein umfasst. 
Er erkennt einen Geist mit Leidenschaft als ein Geist mit Leidenschaft und einen Geist ohne Leidenschaft als Geist ohne Leidenschaft. 
Er erkennt einen Geist mit Abneigung als ein Geist mit Abneigung und ein Geist ohne Abneigung als Geist ohne Abneigung. 
Er erkennt einen Geist mit Verblendung als Geist mit Verblendung und ein Geist ohne Verblendung als Geist ohne Verblendung. 
Er erkennt einen eingeschränkten Geist als eingeschränkten Geist und einen zerstreuten Geist als einen zerstreuten Geist.
Er erkennt einen ausgeweiteten Geist als einen ausgeweiteten Geist und ein einen nicht ausgeweiteten Geist als einen nicht ausgeweiteten Geist.
Er erkennt einen übertreffbaren Geist als einen übertreffbaren Geist und eine unübertroffen Geist als einen unübertroffen Geist.
Er erkennt einen gesammelten Geist als einen gesammelten Geist und einen ungesammelten Geist als einen ungesammelten Geist.
Er erkennt einen befreiten Geist als einen befreiten Geist und einen unbefreiten Geist als einen unbefreiten Geist.
Dies kann er für sich selbst erleben, wenn immer es ein Öffnen gibt.

Wenn er will, ruft er sich seine vielfältigen vergangenen Leben (1) ins Gedächtnis zurück. Nämlich eine Geburt, zwei Geburten, drei Geburten, vier, fünf, zehn, zwanzig, dreißig, vierzig, fünfzig, hundert, tausend, hunderttausend, zahllose Weltzeitalter der Zusammenziehung des Alls, zahllose Weltzeitalter der Ausdehnung des Alls, zahllose Weltzeitalter der Zusammenziehung und der Ausdehnung des Alls (wobei er sich erinnert:),
Dort hatte ich solch einen Namen, gehörte ich solch einer Sippe an, hatte ich solch ein Äußeres.  Derart war meine Nahrung, derart war meine Erfahrung mit Wohlgefühl und Wehgefühl, derart war mein Lebensende.  Nachdem ich von diesem Zustand dahingeschieden war, erschien doch dort wieder.
Auch dort hatte ich solch einen Namen, gehörte ich solch einer Sippe an, hatte ich solch ein Äußeres.  Derart war meine Nahrung, derart war meine Erfahrung mit Wohlgefühl und Wehgefühl, derart war mein Lebensende.  Nachdem ich von diesem Zustand dahingeschieden war, erschien ich hier wieder. So erinnert er sich seiner vielfältigen vergangenen Leben in seinen Formen und Einzelheiten.
Dies kann er für sich selbst erleben, wenn immer es ein Öffnen gibt.

Wenn er will, sieht er - mittels des göttlichen Auges, dem geläuterten und das Menschliche übertreffend - wie Wesen vergehen und wieder erscheinen, und er erkennt, wie sie ihrem Kamma entsprechend unterrangig und höher stehend, schön und hässlich, glücklich und glücklos sind:
Diese Wesen - die mit schlechtem Verhalten in Körper, Sprache und Geist versehen waren, die die Edlen schmähten, verkehrte Ansichten hatten und Handlungen von verkehrten Ansichten beeinflusst begingen - sind beim Zerfall des Körpers, nach dem Tode, in der Ebene der Entbehrung, in der schlechten Bestimmung, in den niedrigen Reichen, in der Hölle wiedererschienen.
Aber jene Wesen - die mit gutem Verhalten in Körper, Sprache und Geist versehen waren, die die Edlen nicht schmähten, rechte Ansichten hatten und Handlungen von rechten Ansichten beeinflusst begingen - sind beim Zerfall des Körpers, nach dem Tode, in der guten Bestimmung, in den himmlischen Welten wiedererschienen.’ 
Somit - mittels des göttlichen Auges, dem geläuterten und das Menschliche übertreffend - sieht er, wie Wesen ihrem Kamma entsprechend vergehen und wieder erscheinen, und erkennt er, wie sie unterrangig und höher stehend, schön und hässlich, glücklich und glücklos sind.
Dies kann er für sich selbst erleben, wenn immer es ein Öffnen gibt.

„Wenn er will, dann durch das Enden der geistigen Ausströmungen (āsava), verweilt er in der Bewusstseins-Befreiung ohne geistige Ausströmungen und in der Befreiung durch Erkenntnis, sie genau im Hier und Jetzt für sich selbst erfahrend und verwirklichend.
Dies kann er für sich selbst erleben, wenn immer es ein Öffnen gibt.“


Anmerkungen

(1)  Wörtlich: frühere zu Hause.


translated from the Pali by Thanissaro Bhikkhu
Übersetzung aus dem Englischen nach Thanissaro Bhikkhu